2 posts tagged “polyvore”
Ich hatte hier in aller Laenge beschrieben, wie es gestern zwischen einigen (und streckenweise unprofessionellen) Etsyverkaeufern und Polyvore gekracht hat. Darueber, dass Polyvore in all dem vorbildlich handelt, und auch darueber, dass dieser Streit aus marketing- und pressetechnischer Sicht (wobei Marketing und Presse im neuen Web schon bald verschmelzen) einige wichtige Fragen und Zweifel aufwirft; jedenfalls fuer mich.
Das vorlaeufige Nachspiel in all dem?
1. Polyvore hat vorerst eine Kommentarsperre ueber das hauseigene Blog verhaengt, dank einiger aggressiver Etsyverkaeufer, die sich gestern recht militant in den Kommentaren ausgetobt haben. Sehr lobenswert und professionell von Polyvore, aeusserst peinlich und zudem noch geschaeftsschaedigend von den Verkaeufern in Frage (siehe Kommentare).
2. Pasha Sadri, der gestern umgehend einen Etsyaccount eroeffnet hatte und sich seitdem aktiv und damit sehr vorbildlich an der ganzen Sache beteiligt, hat in einem weiteren Etsythread die letzten Massnahmen erlaeutert, die von Seiten Polyvores nun ergriffen worden sind:
Hi everyone,
Thanks for starting this thread. Just to clarify a couple of things:
- All items in Polyvore ALWAYS link back to where they were clipped from. Unfortunately, we don't always have the CORRECT link. We are working on improving this so that more items link back to the CORRECT page (If you are interested in the technical reason, please read the bottom of this post).
- We have temporarily blocked submissions from Etsy while we work on these issues. We know that Polyvore is useful to some of you and we'd like to restore Etsy submissions once we have worked out some of the kinks.
- We are planning on running Etsy promotion on Polyvore once these issues are resolved. I will post an announcement here once we have more details.
In the meanwhile, if your products have found their way into Polyvore against your wishes, just let us know by dropping us a line at copyright [at] polyvore [dot] com. If you want your products to be listed, please stay tuned...
Thanks,
Pasha
Technical explanation of why some Etsy items don't correctly link back: if you visit a Etsy product page and click on the product image, you get a browser popup with the large version of that image. The images imported to Polyvore are being clipped from this page instead of the original product page. We are not blaming Etsy for this whatsoever (other sites have a similar behavior), this is just the explanation of why it was happening. We actually would like to link back to the correct page (that is part of the reason we built Polyvore) but the clipping tool is not perfect in dealing with every situation (yet).
An den Reaktionen im Thread ist uebrigens zu sehen, dass kaum eine/r (eigentlich keine/r) weiss, wen sie/er da vor sich hat. Daran hat auch mein Erklaeren in anderen Threads gestern nichts geaendert. Es wird weiterhin munter geaetzt und geschwaetzt (warum denke ich nur die ganze Zeit an den Wilden Westen und Teer&Federn....?).
Im schlimmsten Fall bleiben Artikel auf Etsy aussen vor; was aber weitere Konsequenzen wie ein schlechtes Image fuer alle Verkaeufer auf Etsy nach sich ziehen koennte, sowie der Verlust einer wirklich guten Chance auf kostenlose Werbung (erinnern wir uns, dass Polyvore z.B. auf Facebook sehr beliebt ist). Im besten Fall wird es eine Aktion in Zusammenarbeit mit Etsy geben, minus all denen, die ihre "Kunst" nicht auf Polyvore zu sehen wuenschen (recht hypothetisch, da sich keiner die Muehe machen wird, einen entsprechenden Filter zu bauen).
Und wieder einmal mehr muss sich das Etsymanagement somit in Schadensbegrenzung ueben...
Exciting Commerce hatte im letzten Jahr, genauer gesagt hier, ueber den Launch von Polyvore berichtet. Polyvore ist im Grunde ein Crossover von Social Shopping (im Sinne von z.B. ThisNext, Stylefeeder, Kaboodle im englischen und edelight) und digitalem Scrapbooking; die digitale Version von inspiration books (Bildchen und Textschnipsel aus Magazinen ausschnippeln und in ein Blankobuch einkleben) oder scrapbooks: registrierte User importieren per Bookmarklet Lieblingsstuecke, die sie im Web finden, wie z.B. Kleidung, Schmuck, Schuhe, Accessoires, und arrangieren sie zu einer Collage. Man koennte auch sagen, User fuehren virtuell ihren Style vor, so wie in der echten Welt etwa die Kollegin, die immer so nette Sachen anhat, die aber man sich nieee traut zu fragen wo sie shoppt. Auf Polyvore muss man nicht fragen, denn Links gibt es inklusive.
Was sich nun im Web dazu tut, ist sehr interessant. Zum einen verstehen die wenigsten, was Polyvore eigentlich ist bzw. welchen Nutzen es hat, und zum anderen sind viele sehr schnell dabei, aufgebrachtes Geschrei zu verbreiten und das Portal und seine User als Diebe abzustempeln. Es kursieren bereits erste Petitionen, die die Macher von Polyvore (im Uebrigen Pasha Sadri von Yahoo Pipes) dazu bringen wollen, Copyrights besser zu schuetzen und den "Missbrauch" abzustellen. Auch auf flickr erbosten sich bereits einige User Kuenstler. Und ja... natuerlich darf Etsy hier nicht fehlen - mild gesagt, es ging rund gestern Nacht, einige undiplomatische Beschwerer Kuenstler kotzen maeren sich nun auf Polyvores Blog aus, und Etsys hauseigene Anwaeltin macht sich nun schlau in dieser Angelegenheit. Ein dicker Pluspunkt fuer Polyvore: sie haben noch gestern einen Etsyaccount eroeffnet und haben sich aktiv in einem zweiten Thread beteiligt. Deeskalationstaktik vom Feinsten *thumbs up*!
Es gibt einige Punkte, die ich nicht ganz verstehe.
Jede Collage verlinkt in der Regel auf die Quelle eines Artikels, wie in dieser, z.B. Jede, die nun also zum Einkaufen angereizt ist, weiss sofort, wo sie das begehrte Objekt finden kann. Sie muss nicht zur Konkurrenz, sie muss niemanden suchen, der ihr diesen Artikel gar noch fuer billiger herstellt. Der Verkaeufer, dessen Artikelbild nun hier genommen wurde, bekommt so gratis Werbung und muss niemanden dafuer bezahlen, dass ueber seinen Shop und seine Arbeit geschwaermt wird. Dass gerade zu Etsy verlinkte Artikel schnell ausverkauft sind, ist meiner Meinung nach nicht Polyvores Problem, und immerhin besteht auf Etsy die Moeglichkeit, den Hersteller direkt zu kontaktieren, um etwa um eine Sonderanfertigung zu bitten. Ist das kein Vorteil?
Ein wiederkehrendes Argument auf Etsy ist, dass niemand um Erlaubnis zur Benutzung der Bildmaterialien frage und so Copyrights der Bildinhaber verletzt wuerden. Was aber genauso seltsam ist - ich weiss, dass viele der "design" und "style" Blogs da draussen, und noch viel mehr der Etsyblogger, weder nach Erlaubnis fragen, wenn sie ihre "fellow Etsyans" auf ihren Blogs "featuren", noch Bescheid geben, wenn die Posts live auf dem Web sind. Und das wird hingenommen. Wo, frage ich, ist da der Unterschied? Weil man sich "kennt"? Weil man sich fuer die selbe "Sache" engagiert (d.h. fuer Etsy und handmade und anti-mass-produce etc.etc.)? Interessant waeren hier Zahlen, welche Art Empfehlung zu mehr Verkaeufen fuehrt. Leider stellt Etsy fuer seine Verkaeufer aber keiner Statistiken zur Verfuegung.
Und was ergibt sich daraus fuer andere SocialShopping-Plattformen wie ThisNext & Co.? Erinnern wir uns, dass diese Seiten in der grossen Mehrheit von privaten Personen genutzt werden; private Personen empfehlen Produkte fuer private Personen. Nehmen wir an, jeder User fragte nach, bevor Produkte per Artikelbilder weiterempfohlen werden - wie viele Emails will ein Kleinunternehmer auf Etsy am Tag beantworten wollen, um Nutzungserlaubnis zu erteilen? Wie sehr wuerde das Geschaeft und die Produktion leiden? Wie unfreundlich stuende er bei Nichtbeantwortung der Anfragen da, ganz zu schweigen von etwaiger nachhaltiger negativer Presse (Blogs sind ein schnelles Medium...)? Und -- wie bereit waeren Nutzer bei all dem Aufwand noch, Produkte weiter zu empfehlen und gerade Kleinunternehmern und Privatverkaeufern die oft so ersehnten Verkaeufe zu bescheren? Dank Gratiswerbung?
Mir waere es auch lieber, Blogger wuerden mich fragen, bevor sie meine Artikelbilder auf ihren Rechnern speichern; dass sie eine Zeile zum Copyright an ihre Posts anfuegten; dass sie mir wenigstens eine kurze Etsyconvo schickten, wenn sie ueber mich schreiben. Aber rund 97% tun es eben nicht und werden noch aggressiv, wenn sie hoeren, sie haetten vorher fragen muessen. Wie soll man also die Webnutzer erziehen?
Die Threads auf Etsys Foren ueber ausbleibende Verkaeufe, darueber, wie sauschlecht und frustrierend das Geschaeft doch gehe, und wie sehr man das Geld doch brauche, um die Uni zu zahlen oder Spielzeug fuer die Kinder zu kaufen, sind zahlreich, und in der Regel stellt sich heraus, dass die Shopinhaber zwar mitmischen wollen auf dem Markt da draussen, aber keinerlei Erfahrung noch Ahnung haben vom Vermarkten und Verkaufen und darueber, welche Moeglichkeiten das web2.0 gerade fuer Kleinunternehmer bietet, die eigentlich gar kein Marketingbudget zur Verfuegung haben.
Das Problem liegt vielleicht darin, dass viele Kleinunternehmer auf Marktplaetzen wie Etsy sich als Kuenstler sehen. Sie schaffen Kunst, die sie verkaufen wollen (Stichwort "Kunsthandwerk"), fuer Geld, das sie dringend brauchen, zu einem Marketingnulltarif, wie sie hoffen. Vielleicht waere es angebracht, hier ein wenig kompromissbereit zu sein, und kostenlose Werbung gerade auf dem Social Shopping-Sektor dankbar anzunehmen, denn wenn ein Artikel empfohlen wird, dann doch durchweg mit positiver Botschaft.
Sehr trocken koennte man sagen, der durchschnittliche Kleinunternehmer im Web ist ungefaehr auf der Hoehe von "ich habe jetzt auch so'n Blog", "ich habe mir gerade meine eigene Webseite mit PageBuilder gebaut", "wie geht flickr?".
It's a long way to Tipperary web2.0...